22. Oktober 2019 Administrator

WISSENISTNACHT #005

WISSENISTNACHT #005

Von Ratten und Schlafentzug.

Wir kommen nicht nur aus dem Meer, es wird noch besser: Wir sind auch noch genetisch den Ratten recht ähnlich. Was von Vorteil und die Begründung dafür ist, warum Ratten hauptsächlich für Tierversuche genutzt werden können, wenn es um Medikationen geht. Auch bei Schlafverhalten können wir einige Beobachtungen von Ratten auf den Menschen ableiten. Eine überaus interessante (und vermutlich in den meisten Augen auch grausame) Studie hat gezeigt, dass Ratten bei vollkommenem Nahrungsentzug ganze 15 Tage im Schnitt überleben. Bei vollkommenem Schlafentzug (ich gebe hier zu, dass sich die Maßnahmen hier grausamer lesen als beim Nahrungsentzug) überlebten sie – und das ist das wirklich interessante – ebenfalls 15 Tage im Schnitt. Was sie am Ende das Leben kostete, waren keine Herzstillstände, Erschöpfungszustände oder Entzündungen. Ihr Körper war schlichtweg nicht mehr in der Lage, ihre Körpertemperatur zu regulieren und verstoffwechselte sich in Verzweiflung selbst.

The edge of thermal cliff.

Für uns Menschen ist das Thema Körperkerntemperatur aus oben genannten Gründen ebenso wichtig. Auch ohne den Extremfall des kompletten Schlafentzugs wird es dann brenzlig, wenn wir unseren Körper nicht dabei unterstützen, seine niedrigste Temperatur im Laufe der Nacht zu erreichen. Im Schnitt ist diese um 4:30 Uhr am niedrigsten (um 19 Uhr übrigens am höchsten). Während wir schlafen, werden nicht nur zyklisch der Blutdruck, die Herzfrequenz und der Blutzucker reguliert, sondern eben auch unsere Körperkerntemperatur. Grund hierfür ist ein schmaler Grad von Temperaturspanne, in der verschiedene physiologische Prozesse (besonders Regenerationsprozesse) ablaufen und eben auch nur dort ablaufen können. Ist es zu warm in uns drin, läuft nix.

Tu dies, tu jenes, to do.

Mein Tag besteht wie vermutlich bei den meisten Menschen erst aus Arbeit, dann aus Vergnügen. Letzteres äußert sich – wie vermutlich ebenfalls den meisten dies lesenden Menschen – oft in sportlicher Aktivität. Bedeutet, die größte körperliche Anstrengung fällt auf den späten Nachmittag/Abend, in meinem Fall auch noch nach 19 Uhr. Anschließend folgt die größte Mahlzeit meines Tages. Alles nicht gerade förderlich für eine sinkende Körperkerntemperatur, weil muskuläre, koronare und gastroenterologische Aktivität auf Hochtouren läuft. Geht aber schlecht anders. Was können wir also tun, um rechtzeitig abzukühlen?

Sinnvoll ist es, das Augenmerk auf die Terminierung von Nahrungsmittelaufnahme, Dusche und Zubettgehen zu legen. Nach dem Training (sofern stattgefunden) sollte in eine neutral geheizte (20-21 Grad Celsius) Wohnung heimgekehrt werden. Erste Anlaufstelle wäre die Küche. Was Nahrungsmittel angeht, so bieten sich schwer verdauliche Komponenten wie Frittiertes oder Rohkost weniger an. Proteine und langkettige Kohlenhydrate, bestenfalls mit gedünstetem Gemüse sind empfehlenswert. Auf scharfe Lebensmittel sollte verzichtet werden, falls sie zusätzlich hitzefördernd wirken. Nach dem Essen sollte erst geduscht werden – hierbei möglichst durchblutungsfördernd. In Körperregionen mit der höchsten Dichte an Kapillaren (kleinste aufgefächerte Blutgefäße) in Hautnähe – also Händen, Füßen und Kopf – kann dann Wärme ausgeleitet werden. Das Schlafzimmer sollte eine Raumtemperatur von 18 Grad nicht überschreiten, aber auch nicht viel kühler sein. Jetzt kommt der Clou schlechthin: Nackt schlafen! Ja, richtig gelesen. Je mehr Hautoberfläche die Möglichkeit hat, Wärme loszuwerden, desto besser. Für die eher Verfrorenen gilt: mehrere Decken ja, lockere Wollsocken ja, Wärmflasche ja. Plüsch-Tierprint-Einteiler mit Reißverschluss NEIN. N-E-I-N.

Als Leitfrage gilt: „Kann ich es nachts loswerden, ohne wach zu werden?“. Dann Go!

to be continued . . .